Im Russell Forest hatte uns der bibbernde Australier in kurzen drastischen Sätzen geschildert, wie es in den Wäldern zwischen der Ostküste (Kerikeri) und der Westküste aussehen würde.
Auch hier gäbe es Stellen, die streckenweise im Flussbett zurückgelegt werden müssten. Es gäbe auch wieder Schlamm und dichten, dämmrigen Urwald. Außerdem seien die Tagesetappen, die in den Trailnotes vorgesehen sind, nicht zu schaffen.
„Wie soll man eine 23km-Tagesetappe schaffen, wenn man in der Stunde weniger als zwei Kilometer läuft? Außerdem stimmen die Kilometerangaben in den Landkarten sowieso nicht. Ich tracke mit dem GPS jeden gelaufenen Kilometer. Heute hätten es acht Kilometer bis hierher sein müssen, und mein GPS zeigt elf Kilometer an“, erklärte er uns im Russellwald.
An dieser Stelle hatten wir wie gesagt beschlossen: „Wir haben genug Wald gesehen“.

Wir kauften uns also zwei Tickets und fuhren von Kerikeri über Mangonui nach Awanui an die Ostküste.

In dieser Vergrößerung sieht man Awanui.

Und wenn ich noch näher rangehe, kann man auch den weißen Weg oberhalb von Awanui erahnen, auf dem wir raus an die Küste zum 90-Mile-Beach gewandert sind.

Auf der Straße sind es von Awanui bis zum Cape Reinga noch 104km. Unsere Wanderstrecke via Beach dürfte dieselbe Entfernung bis zum nördlchsten Ende der neuseeländischen Nordinsel haben.

Die 90-Mile-Beach ist also gar nicht 90Meilen lang, sondern nur 90 Kilometer. In Anbetracht eines 90 Kilometer langen Sandstrandes, kann man es den Neuseeländern allerdings nicht verdenken, dass sie in dichterischer Freiheit daraus 90 Meilen gemacht haben.

Da der Bus erst am frühen Nachmittag in Awanui ankam, stand für heute nur das Rauslaufen zum Campingplatz an der Küste auf dem Programm – etwa 12 K. An diese Etappe hatten wir keine besonderen Erwartungen geknüpft. Wir wurden nicht enttäuscht. Die ersten 5 km ging es wie am Lineal gezogen geradeaus auf einer Splittstraße Richtung Küste. Das Stück hätten wir auch trampen können, aber wir wollten tapfer sein, nachdem wir schon den Wald verweigert hatten. Nach drei Kilometern Wegs hielt jedenfalls eine Pickupfahrerin neben uns und fragten nach dem Befinden.
„Danke, alles klar, we are allright“.

Einschub:
Ich denke, wir sind nicht die einzigen Wanderer, denen immer wieder Hilfe angeboten wird. Die Hilfsbereitschaft der Neuseeländer scheint so groß zu sein, dass sie sich dafür wohl gegenseitig auf die Schippe nehmen. Oder wie ist sonst der T-Shirt-Aufdruck zu verstehen, den ich in Whangarei gesehen hatte: „Not all those who wander are lost“.
Einschubende

Auf halber Strecke raus zur Küste, wurde es dann grüner.

Wir dachten jetzt, gleich hinter der nächsten Ecke müsste das Meer in Sicht kommen.
Aber der Neuseeländer hat es auf der Nordinsel nicht so mit schönen Ausblicken. Vor dem Meer hatte man in diesem Fall eine Tannen-Monokultur installiert, die keinen Ausblick zulässt.

Immerhin, ein Waldweg ohne Autos. Und gegen Quads, die an allen Ecken zur Besichtigung der Landschaft herangezogen werden, hatte man hier tiefe Gräben ausgehoben und allerlei Tannen quer in die möglichen Fahrtrichtungen gelegt.

Irgendwann sahen wir dann ein Haus am Ende des Waldwegs und fanden den Campingplatz.

Wir waren zwar weniger als einen halben Kilometer vom Meer entfernt, aber mehr als erahnen, war heute in Sachen Meer nicht drin.
Ab Morgen solte das auf den kommenden 90 Kilometern allerdings besser werden.

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