Nach unserem Ruhetag in Pahia geht es mit leichtem Gepäck nach Kerikeri.
Mit leichtem Gepäck deshalb, weil es bis Kerkeri nur knapp über zwanzig Kilometer sind. Wir haben also nur eine Eintagesetappe vor uns und brauchen daher nur eine Eintagesration an Essen. Und auch zum Trinken müssen nicht alle Flaschen gefüllt werden.

Trotzdem sind zwanzig Kilometer kein Pappenstiel und daher lassen wir die Besichtigung der Waitangi Treaty Hall gleich mal aus.
Wir laufen zwar direkt an der Treaty Hall vorbei, merken allerdings erst, als wir vor dem Denkmal am Hinterausgang stehen,

dass wir vor 300m am Vordereingang vorbeigelaufen sind.
Wir wägen ab. Wir haben eine Reproduktion des Waitangivertrags bereits im Museum in Wellington gesehen. 300 Meter zurücklaufen, dann Eintritt bezahlen, um im Prinzip das Ganze nochmals anzuschauen?
Wir entscheiden uns für das Weiterlaufen.
Immerhin haben wir uns mit dem Thema wenigstens ein bißchen auseinandergesetzt. (Der in 1840 geschlossene Waitangi-Vertrag hat immerhin bis heute Gültigkeit und bildet die Grundlage des Zusammenlebens von Maories und Einwanderern.)

Auf der Landstraße verfliegen die staatstragenden Gedanken jedoch schnell wieder.
Ein Golfplatz mit Meerblick wandert ins Blickfeld

und ein interessantes Tiermotiv.

Dann geht der Teerbelag der Landstraße in Splitt über und jedes vorbeifahrende Auto staubt uns ein.

Doch es gibt ja Schranken. Diese hier erreichen wir etwa fünf K hinter Waitangi. Wir dürfen rein, die Autos müssen draußen bleiben.

Der Waitangi Edowment Forest beginnt hier.

Die Waldwege sind fein gesplittet, ohne Schlaglöcher, weisen keine extremen Steigungen auf und manchmal bietet sich auch ein Ausblick auf die Landschaft.

Auch die Farnbäume gibt es an diversen Ecken – die Farne hatten wir schon seit einigen Tagen nicht mehr gesehen und daher schon etwas vermisst.

Nach einigen Kilometern lässt die Qualität des Waldwegs jedoch deutlich nach. Es ist grober Schotter angesagt. Der Blick ist ab hier dauerhaft gesenkt. Jeder Schritt muss mit Vorsicht gesetzt werden. Es drohen Wegrutschen, Umknicken und verknackste Fußgelenke.

Bei Tageskilometer 15 ist dann der Waitangi Wald durchschritten und 5 K Landstraße warten für den Zielsprint nach Kerikeri.

Auf der Landstraße stellt sich an einer Brücke eine verkehrstechnische Grundsatzfrage:“Hat derjenige, der auf der Brücke ist Vorfahrt?“
Da die Brücke einspurig ist und es keinen Fußweg gibt, laufen wir auf der Straßenmitte und versuchen die Frage empirisch zu klären.
Leider kommt kein Auto entgegen, so dass wir bis heute keine Antwort kennen.

Eine botanische Besonderheit bietet sich wenige Kilometer vor Kerikeri noch: „Der Thuja-Windbreaker.“
Windschutzhecken sind auf der Nordinsel Neuseelands weit verbreitet. Erstaunlich bei den mindestens 6m hohen Hecken finde ich, dass sie trotz ihrer Höhe meist ziemlich akurat geschnitten sind. Ich habe nie gesehen, wie die Neuseeländer dies hinbekommen.

Nach dem langen Wandertag schlagen wir unser Zelt auf dem Campingplatz auf und beschließen dann in Anbetracht weiterer, kommender Campingtage, dass wir uns einen Restaurantbesuch gönnen.

Das Essen war prima, wir mussten dafür jedoch das Zelt alleine lassen. Das nutzte der Räuber schamlos aus. Er hatte die Tüte mit dem Brot aus der Apsis des Zeltes herausgezogen umd bemühte sich gerade an den Inhalt der Tüte heranzukommen, als wir ihn sahen. Im Gegensatz zu den Wildschweinen, half Schreien diesmal nicht. Umgerührt versuchte der Räuber weiterhin sich des Beutelinhalts zu bemächtigen. Erst als ich mit dem Wanderstock nach ihm schlug, trollte er sich gerade soweit, dass wir nicht mehr an ihn herankamen. Vom Baum herab schaute er uns zu. Ob sich eventuell später eine Chance bot, die Beute doch noch an sich zu bringen?

Einschub:
70,000,000 (70 Mio.) Opossümer soll es in Neuseeland geben. Die Neuseeländer sprechen von einer Opossum-Pest. Ein Staatsziel ist es, die Opossümer auszurotten. Dies wird durch Fallen an allen Ecken und Enden im Wald versucht. Ich persönlich glaube, dass die Fallen keinen Erfolg haben werden, die Anzahl der Opossümer nachhaltig zu senken.
Einschubende

Ein Kommentar

  1. Hallo Ihr Zwei,
    blöd, dass ich das mit dem blog nicht früher mitgekriegt habe. Allerdings hatte ich dafür jetzt einen sehr schönen Nachmittag in Neuseeland und habe einiges an Strecke hinter mich gelegt. In der Tat kommt es mir schon wie eine Ewigkeit vor, dass ich Eure Berichte vom Packen und vom Flughafen gelesen habe, dabei war´s doch erst vor eineinhalb Stunden !
    Ab und zu habe ich mal kurz die Orientierung verloren (obwohl Eure Dokumentation der Strecke vorbildlich war) aber da hat mir dann Google Maps immer schnell helfen können.
    Ihr seid echt tapfer, habt aber auch ganz schön viel Schönes gesehen, da kann man nur neidisch sein. Immerhin ist es hier jetzt aber auch so langsam grün geworden aber sooo grün wie bei Euch natürlich nicht.

    Besonders beeindruckt haben mich all die mit dem Gaskocher selbstgekochten Leckereien- da schnalzt der Kenner mit der Zunge. Aber natürlich hat das nach so langen Wanderungen dann immer trotzdem total lecker geschmeckt ,oder ?
    Und dann diese Gastfreundlichkeit ! Hier in Berlin hat man manchmal ja den Eindruck, dass es der Gipfel an Gastfreundschaft ist, wenn man mal nicht angeschnauzt wird.

    Natürlich war der Regen manchmal nervig aber jedes Mal, wenn dann wieder ein Cappuccino oder gar ein Bier am Ende bereitstand, war wahrscheinlich alles fast wieder gut. Zumindest ging mir das beim Lesen so.

    Solltet Ihr nochmal nach Auckland zurückkommen und ein Plätzchen zum Schlafen suchen, könnt Ihr Euch sicher bei meiner Schwester melden. Wenn sie zuhause sind, können sie Euch bestimmt weiterhelfen mit allem Möglichem. Sie wohnen allerdings ein bisschen außerhalb, in Whangaraparoa, da seid Ihr ja schon mal vorbeigekommen. Ihr könnt Euch ja dann per Whatsapp melden.

    So, ab jetzt werdet Ihr auch von mir verfolgt. Alles Gute für den Rest der Reise.
    Rainer

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