Schon zehn Minuten vor der Zeit steht unser Taxi bereit.
Es wird dann aber doch 9Uhr bis wir alle unsere Sachen zusammengepackt und im Auto verstaut haben.
Bis zum Kilometer 278 werden wir mitgenommen. Das erspart uns 6K stark befahrene Landstraße.
Hatte ich schon erwähnt, dass die Leute hier super hilfsbereit sind? Wirklich toll!
Ab Kilometer 278 geht es dann durch den Russell Forest bis zu einer Landestelle in Waikare

Die Strecke sieht überschaubar aus und lässt sich auch gut an.

Nur ein Flüsschen ist bis zur Shelter im Wald zu durchqueren.

Hunde leben im Neuseelands Wäldern übrigens gefährlich

Uns geht es hingegen gut. Der Weg ist gut ausgebaut. Die Sonne scheint. Nach zwei Stunden haben wir schon den halben Wald durchquert und stehen an der Schutzhütte, die ein Bänkchen und einen Tisch bietet. Ein wirklich einladender Rastplatz.

Frohgemut und gestärkt geht es weiter.
Leider zwingt uns schon nach wenigen Metern ein tiefer Fluss zum Schuheausziehen.
Am anderen Ufer stehen wir dann vor einem Rätsel.
Wo geht es weiter?
Kein oranges Dreieck weit und breit.
Ich ziehe meine Wanderstiefel an und suche im Wald nach einer Wegmarkierung.
Martina geht bachabwärts und schaut dort.
Nach fünf Minuten treffen wir uns wieder. Keiner hat ein Wegzeichen gefunden.
Wir schauen in die Karte und entscheiden uns dafür im Bach bachabwärts zu gehen.
Der Bach ist eiskalt.
Nach humdert Metern treffen wir einen Menschen.
Es ist ein junger Australier. Er steckt in klitschnassen Turnschuhen. Seine kurzen Hosen sind bis zum Bund hinauf nass.
Während er uns erklärt, dass er seit zwei Stunden durch den Fluss läuft, steckt er sich seine Elektrozigarette an, saugt hektisch daran, bibbert und saugt weiter.
Man muss ihn nur anschauen und fängt auch an zu zittern.
Er ist sichtlich froh, als wir ihm erklären, dass er nur noch um die nächste Ecke muss, um an der Schutzhütte zu sein und dann einen einfachen Waldweg vor sich zu haben.
Der Australier erklärt uns noch, dass er eine Woche krank war, nachdem er die Sumpfwälder weiter im Norden durchquert hatte.
Dann sagt er noch, dass auch noch vier Neuseeländer hinter ihm kämen und schon ist er weg, um endlich aus dem Wasser rauszukommen.
Wir schauen uns an. Zwei Stunden Kneippkur am Stück? Eiswasser bis zum Bauch?
Jetzt kommen die Neuseeländer ums Eck.
Sie tragen lange Hosen und haben die Lederschuhe erst gar nicht ausgezogen.
Auch sie sind sichtlich erleichtert, als wir ihnen sagen, dass die Schutzhütte gleich um die Ecke ist.
Wir folgen Ihnen.
Wir nehmen lieber einen Umweg in Kauf.

Während sich die Flussläufer an der Schutzhütte aufwärmen, treten wir den Rückweg an.
Etwa zwei Kilometer vor der Schutzhütte zweigt der Bachumgehumgsweg ab. Er nimmt dann auf der Karte einen Umweg von etwa vier Kilometern, trifft aber in Waikare wieder auf den Te Araroa Trail. Das dürfte also machbar sein. Der Tag ist ja noch jung.

Der Weg wird schon nach kurzer Zeit eng und steil


Er ist entlang der Wegränder durchzogen von Wildschweinspuren.

Und wirklich, die Wildschweine sind nicht weit.
Eine Rotte Wildschweine – drei bis vier Alttiere und einige Frischlinge – haben es sich auf dem Weg bequem gemacht.
Die Bilder, die ich mache, während ich lärmend auf die Schweine zusteuere, sind leider nicht sehr aussagekräftig.

Man kann nur die Beine eines Schweins unter einem grünen Ast erahnen. Aber besser die Bilder sind nichts geworden und dafür sind die Schweine weg, als perfekte Nahaufnahmen von einem verärgerten Keiler.
Martina ist jedenfalls beeindruckt von den Urgeräuschen, die ich ausgestoßen habe. Unser Adrenalinspiegel steht gleichermaßen bei maximal.
Das Wandern wird dadurch auch nicht leichter.
Der Weg wird noch steiler.

Der Regen ist im Anmarsch und schlägt auch kurze Zeit später ein.

Dann verschwindet der Weg völlig im Dschungel.
Nur die orangen Dreiecke lassen noch die Richtung erahnen.

Die in der Karte eingezeichnete Wegkreuzung ist trotz GPS nicht zu finden.
Uns bleibt nichts anderes übrig, als weiter den orangen Dreiecken zu folgen.
Kurz vor Dunkelheit landen wir wieder auf der Russell Road.
Wären wir heute Morgen auf der Russell Road geblieben, dann wären wir nach etwa drei Stunden hier gewesen, wo wir jetzt kurz vor Nachteinbruch stehen.
Wir sind platt und brauchen einen Schlafplatz.
Die Sonne geht unter und wir sind immer noch auf der Suche.

Abend rot, Morgen schön.
Die Russell Road bietet wenig Möglichkeiten.

Die Straße ist eng und links und rechts geht es abwechselnd steil himauf oder steil hinab.
Die Dämmerung fordert eine Entscheidung.
Die Entscheidung fällt auf den Seitenstreifen einer Rechtskurve. Seitenstreifen ist etwas geschmeichelt. Im Prinzip steht das Zelt auf der Fahrbahn.
Nachts kommen drei Autos vorbei.
Es fühlt sich an, als ob sie mitten durchs Zelt fahren würden.
Es grunzt aus dem Wald.
Es pfeifen fremdartige Geräusche näherkommend um das Zelt.
Die nassen Klamotten stinken nach Schweiß.
Bevor wir die Augen zumachen beschließen wir einstimmig:
„Das war unser letzter Wald in Neuseeland!“

Ich kann nicht sagen, ob wir in dieser Nacht wirklich geschlafen haben.

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